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Barrierefreiheit durch Stanzungen - wie Blindenschrift gedruckt wird

Als Brailleschrift wird die von Louis Braile erfundene und noch heute verwendete Blindenschrift bezeichnet, die auf einem Punktecode basiert. Die codierten Informationen werden mit einem speziellen Brailledrucker auf Papier oder auch Verpackungen geprägt. Für verschiedene Anwendungen wie etwa Medikamentenverpackungen ist eine Beschriftung in Braille mit wichtigen Informationen gesetzlich vorgeschrieben.

Brailleschrift lesen

Mit den Fingern lesen – dank der Brailleschrift ist das schon seit dem 19. Jahrhundert möglich. Eigentlich als Geheimcode entwickelt, hat sich die von Louis Braille erfundene Punktschrift bis heute als weltweit genutzte Blindenschrift etabliert.

Für den Druck der Blindenschrift gibt es spezielle Brailledrucker und professionelle Drucksysteme, die das auf Punkte basierende Schriftsystem per Stanzungen auf Papier oder auch auf Verpackungen bringen.

Definition: Kennzeichnungspflicht zum Abbau von Alltagsbarrieren

Das Stanzen von Blindenschrift ist aber nicht nur aus literarischer Sicht ein bedeutender Schritt für mehr Barrierefreiheit. Auch das Bedrucken von Verpackungen mit Brailleschrift hilft dabei, dass sich blinde Menschen besser orientieren und informieren können.

Gerade bei Verpackungen für Arzneimittel gelten besondere Kennzeichnungspflichten – unter anderem in Blindenschrift. So müssen zum Beispiel gemäß § 10 Abs. 1b Arzneimittelgesetz bereits seit 2006 die konkrete Bezeichnung von bestimmten Arzneimitteln auf der Umhüllung eingearbeitet werden.

Für Produkte aus den Bereichen Food, Kosmetika und Tierfutter bestehen teilweise entsprechende Verpflichtungen zur Kennzeichnung in Blindenschrift. Produktverpackungen, die Gefahrstoffe enthalten müssen – geregelt durch eine europäische Norm – mit tastbaren Warndreiecken bedruckt sein um somit Gefahrstoffe zu kennzeichnen.

Durch die Kennzeichnungen sollen Alltagsbarrieren für sehbehinderte sowie blinde Personen abgebaut werden.

Brailledrucker für unterschiedliche Nutzer und Einsatzzwecke

Das Drucken der Blindenschrift ist bereits seit einiger Zeit in qualitativ hochwertiger Form möglich. Spezifizierte Drucksysteme – die Brailledrucker – bringen den Punktecode aufs Papier. Im Vergleich zu klassischen Druckern mit Tintenstrahl- oder Laserdrucksystemen basiert der gesamte Druckvorgang allerdings auf einem anderen technischen System.

Denn ein Brailledrucker druckt nicht im herkömmlichen Sinne, sondern stanzt die Braille-Zeichen auf ein spezielles Papier. Das für den Druck der Brailleschrift verwendete Papier weist dabei in der Regel etwa das doppelte Flächengewicht von klassischem Schreibmaschinenpapier.

Die Drucker sind in verschiedenen Qualitäts- und Preisklassen sowie für unterschiedliche Anwendungsszenarien erhältlich.

  • Für den privaten Bereich gibt es kleiner dimensionierte Brailledrucker, die mit handlicher Einzelblattzufuhr ausgestattet sind.
  • Für größere Auflagen sind Systeme für einen doppelseitigen Druck für Endlospapier geeignet. So lassen sich sowohl Zeit als auch Papier einsparen.
Schreibmaschine für Brailleschrift

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So funktioniert der Druck von Blindentext aus technischer Perspektive

Die entsprechenden Vorlagen für den Druck der Blindenschrift lassen sich via Computer in Schwarzschrift erstellen, die dann anschließend von einer speziellen Anwendungssoftware in Brailleschrift umgewandelt wird. Der gesamte Vorgang einschließlich der Steuerung des Druckers läuft computergestützt ab.

Braille Alphabet
  1. Erst werden alle auszugebenden Dokumente digital von einem Rechner zum Brailledrucker übertragen.
  2. Dort wird das Druckwerk mit den entsprechenden Daten gefüttert.
  3. Auf Basis der übermittelten Daten prägt der jeweilige Brailledrucker anschließend die Punkte der Blindenschrift. Dafür greift das Drucksystem auf die eigenen Tools zurück und positioniert exakt an den richtigen Stellen Nadeln bzw. "Hämmer", die mechanisch die einzelnen Punkte ins Papier stanzt. Die mechanische Beanspruchung ist dabei äußerst hoch. Um das zu kompensieren, kommen beim Brailledruck-Verfahren eben auch grundsätzlich dickeres und stabileres Papier zum Einsatz.

Funktionelle Vielfalt: Worauf ist bei einem Brailledruck besonders zu achten?

Die speziellen Systeme arbeiten dabei in vielen Fällen sehr laut im Vergleich zu klassischen Druckern. Dies liegt an den Arbeitsgeräuschen der integrierten Präge- bzw. Stanz-Werkzeuge.

Das Spektrum an Brailledruckern reicht insgesamt von mobil-transportablen, zusammenklappbaren Tischgeräten für das einseitige Ausdrucken von kurzen Brailleschrifttexten über Endlos-Drucker für eine intensive Nutzung bis hin zu Großgeräten, die gleich mit mehreren ansteuerbaren Hochgeschwindigkeitsdruckwerken und integrierten Modulen für Binde- und Schnittarbeiten ausgerüstet sind.

Auf einen Blick – die wichtigsten Kriterien beim Druck von Brailleschrift

Ein- oder Doppelseitendruck:

Einige, meistens günstigere Brailledrucker sind mit Druckwerken ausgerüstet, die das Punktschriftpapier lediglich einseitig bedrucken können. Das System ist vergleichsweise simpel, während Maschinen für eine doppelseitige Bedruckung weitaus komplexer sind.

Das liegt vor allem an dem höheren technischen Anspruch: Die Punkte auf der Vorder- und Rückseite müssen in diesem Fall gegeneinander versetzt geprägt werden, um Dellen durch das Stanzen im Blatt zu vermeiden.

Frau liest doppelseitigen Druck von Blindenschrift
Brailleschrift im Großformat

Mögliche Papierformate:

Blindenschriftzeichen weisen im Vergleich zu Schwarzschriftzeichen einen sehr viel größeren Punkt- und Zeichenabstand auf. Beträgt die Zeichengröße im Schwarzschriftbereich zum Beispiel 10 bis 12 pt, kommt ein Blindenschriftzeichen umgerechnet auf eine Größe von etwa 29 pt. Daher kommen beim Druck der Brailleschrift häufig auch entsprechend größere Formate zum Einsatz.

Wie groß die Formate letztendlich sein dürfen, ist also immer abhängig von der jeweiligen Bauform des Druckers. Kostengünstigere Modelle unterstützen größere Papierformate meistens nur in einem begrenzten Umfang oder auch überhaupt nicht.

Einsatz von Einzelblättern oder Endlospapier:

Komplexer aufgebaute Drucker für Endlospapier verfügen über Stachelräder, die in die Papier-Randlochung greifen. Dadurch kann das Papier über einen Traktor bedarfsgerecht weitergeleitet werden. Das ist mechanisch einfacher zu realisieren als die Papierverarbeitung mittels Einzelblatteinzugs.

Denn bei diesen Druckervarianten muss die Konstruktion gezielt auf das höhere Eigengewicht und die höhere Papierdicke des Blindenschriftpapiers ausgerichtet werden.

Einzelblätter im Einsatz bei Druckern
Druckgeschwindigkeit von Brailledruckern

Druckgeschwindigkeit:

Mechanisches Prägen von Punkten ist aus physikalischer Perspektive deutlich aufwendiger als das Aufbringen von Toner bzw. Tinte bei Schwarzschriftdruckern. Dieser Mehraufwand spiegelt sich auch zeitlich in der Druckgeschwindigkeit wider.

Erfahrungsgemäß liegen die Prägegeschwindigkeiten von Brailledruckern je nach Modellvariante zwischen 13 und 30 Zeichen in der Sekunde. Das bedeutet: Um ein Punktschriftblatt (28 Zeilen à 30 Zeichen) zu bedrucken, muss eine Druckzeit zwischen 30 Sekunden und einer Minute eingeplant werden.

Herkömmliche Drucker sind hier wesentlich schneller. Hinzu kommt, dass die Brailleschriftzeichen viel mehr Platz benötigen, was die Seitenanzahl von kompletten Texten zusätzlich deutlich anhebt.

Mögliche Darstellung von Grafiken:

Um Punktrastergrafiken zu drucken, reicht es nicht, lediglich Blindenschriftzeichen sinnvoll und geschickt aneinanderzureihen. Stattdessen erfordert es der Druck von grafischen Elementen, dass sämtliche Punkte der Grafik denselben senkrechten und waagerechten Abstand untereinander aufweisen. Dadurch fallen die Zeichen- und Zeilengrenzen weg.

Nicht alle Brailledrucker verfügen über die technischen Voraussetzungen, um diese Druckart anwenden zu können. Selbst bei grafikfähigen Druckern für die Brailleschrift kann es hier mitunter zu Problemen kommen. Knackpunkt ist dabei der Abstand, mit dem die Grafik-Tastpunkte gedruckt bzw. geprägt werden. Der Standard-Punktabstand im Literaturbrailledruck beträgt rund 2,5 Millimeter, was beim Drucken zu einer eher geringen taktilen Auflösung von lediglich etwa zehn Punkten pro Zoll führt.

Genauigkeit von Braille Schrift

Die Historie der Blindenschrift – alles begann mit einem folgenschweren Unfall

Der französische Blindenlehrer Louis Braille (1809 bis 1852) erfand und entwickelte die Blindenschrift. Als Basis nutzte er für den Aufbau der Schrift sechs Punkte. Daraus entwickelte er ein komplexes System, mit dem sich jeder einzelne Buchstabe des Alphabets mit unterschiedlichen Punktformationen darstellen lässt.

Louis Braille hatte im Alter von drei Jahren einen Unfall, infolgedessen er an einer sympathischen Ophthalmie erkrankte. Zwei Jahre später war er vollständig blind. Ungeachtet der Einschränkungen hegte er ein großes Interesse an Literatur. Vorlesen allein reichte ihm bald nicht mehr. Er wollte Literatur ebenso wie normal Sehende erleben. Bereits im Alter von gerade einmal 13 Jahren begann Braille aus diesem Antrieb heraus mit der Arbeit an der Blindenschrift.

Louis Braille stellte seine Blindenschrift im Alter von 16 Jahren fertig

Als Grundlage für sein besonders Schriftsystem nutzte er hauptsächlich die vom französischen Hauptmann Charles Barbier entwickelte Nachtschrift. Hierbei handelte es sich um einen Geheimcode, bei dem die Buchstaben und Silben mit ertastbaren Punkten dargestellt wurden.

Diese Schrift wurde ursprünglich entwickelt, um den französischen Soldaten zu helfen, auch bei Nacht Botschaften und Befehle lesen zu können. In der Praxis funktionierte das allerdings nicht wie gewünscht, da das System zu komplex war.

Genau an dieser Stelle setzte der noch junge Louis Braille den Hebel an und vereinfachte dieses System. Er reduzierte den Code auf sechs Punkte, um die verschiedenen Buchstaben entsprechend darzustellen. Mithilfe dieser sogenannten binären 6-Bit-Codierung umfasste sein System insgesamt 64 verschiedene Zeichen. Zudem führte Braille ein Sonderzeichen ein, mit dem auch Ziffern bzw. Zahlen als Punkte Lesbarkeit erhielten. Mit gerade einmal 16 Jahren stellte er seine Blindenschrift im Jahr 1825 endgültig fertig.